Du bist hier: Verloren

21. Februar 2010

In den letzten Tagen habe ich häufiger über’s Verlorensein nachgedacht. Ich fühle mich zwar gerade nicht verloren, aber manche Gedanken sind ja antizyklisch.

Vor einiger Zeit habe ich hier auf Knospenspringen einen Beitrag zur Orientierungslosigkeit geschrieben. Da bezog ich mich auf das Verlorensein im Raum. Diesmal geht es mir um das emotionale Verlorensein. Das ist ja ein Zustand, den wohl die meisten fürchten oder zumindest als nicht besonders wünschenswert empfinden. Fragen wie “Was soll ich jetzt tun?”, “Wie geht es weiter?”, “Was will ich überhaupt?” stellen sich dann. Mit Gedanken wie “Was mache ich eigentlich hier?”, “Wie bin ich überhaupt hierher gekommen?” versucht man zu ergründen, warum man sich im eigenen Wohnzimmer verloren fühlt, oder inmitten von Menschen, die man eigentlich lange kennt. Oder man fühlt sich beruflich verloren.

Auf sowas möchten wir gerne verzichten, denn wir haben für eine solche Orientierungslosigkeit auch gar keine Zeit, oder? Man erwartet von uns doch auch, dass wir stets wissen, wohin wir wollen und wo wir gerade stehen. Schon von klein auf fragt man uns, was wir werden wollen und später, wo wir uns in drei, fünf oder zehn Jahren sehen. Wer da keine Orientierung hat, wirkt in unserer Gesellschaft schwach im besten Fall irgendwie sprunghaft, unbeständig.

Ich frage mich aber, ob diese Frage, also wo ich mich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft sehe, von den meisten Menschen wirklich voller Überzeugung beantwortet wird. Die meisten werden irgendwas sagen, was den Erwartungen des Gegenübers entspricht und die Einstellung, Anerkennung oder Gehaltserhöhung verspricht. Das ist ok. Ich habe das auch schon getan. Ich habe aber gelogen. Weil ich nicht wußte, wie mein Leben fünf Jahre später sein sollte. Und tatsächlich ist es ganz anders verlaufen, als ich es in diesen (beruflich erfolgreichen) Gesprächen ausgemalt hatte. Dafür gibt es doch viel zu viele Unbekannte. Ich mag mich da nicht festlegen. Ich lege mich nur fest, auf das Ziel, in fünf Jahren ein glückliches Leben zu führen. Und morgen und im nächsten Winter und mit 65. Und überhaupt. Jetzt.

Das Verlorensein, dieses nicht Wissen, wie meine Zukunft, vielleicht auch die nächsten Tage  sich entfalten, ist für viele unerträglich. Ich selbst finde es schwierig, wenn ich nicht weiß, wie sich die nächsten wenigen Monate entwickeln. Bei allen anderen weißen Flecken auf der Landkarte der Zukunft bin ich relativ entspannt.Vielleicht weil ich ein Glückspilz bin und sich die Dinge trotz schwieriger Phasen immer zu meinem Gunsten gefügt haben.

Das Verlorensein ist eine Chance, auf der Suche nach dem richtigen Weg, Dinge, die des Weges liegen zu entdecken, auszuprobieren und sich wie in einem Jump & Run Game mal zu ducken, mal zu kämpfen und mal die Bonuspunkte zu kassieren. Ja, vielleicht ist es einfacher, akzeptierter und sicherer einen konkreten 3-5-10-Jahresplan in der Tasche zu haben.  Den eigenen Fortschritt immer fest im Blick. Aber hey, wer von euch hat den 3-5-10-Jahresplan wirklich? In Wirklichkeit habt ihr doch auch alle eure zerknitterten, geheimisvollen und bunt bemalten Schatzkarten in der Tasche, die ihr heimlich rausholt, wenn niemand euch über die Schulter schaut. Manchmal verläuft man sich damit halt.

Schatzkarte

[Foto: stuttermonkey via flickr]

In fünf Jahren möchte ich den ganzen Winter meine Füße in warmes Südseewasser tauchen, leckere Cocktails trinken, entspannte Musik hören und mit meinen Freunden lachen und abends unterm Sternenhimmel einschlafen. Ich will noch mehr Liebe. Und eine Katze. Und ein Boot.

Ay!

Ich bin der Antiplast

31. Dezember 2009

So, 2009 ist so gut wie um. Es war bis auf den letzten Monat ein großartiges Jahr mit viel Inspiration, Freundschaft, Liebe, Spaß und Groovyness. Ich bin mir sicher, das kommende Jahr wird mindestens genauso gut. Etwas wird sich aber ändern, so hoffe ich.

Vor Kurzem habe ich in einem Bahnhofs-Drogeriemarkt so ein kaltes Latte-Macchiato Getränk gekauft. In der S-Bahn habe ich es in drei Schlucken leergetrunken. Als ich das Plastikfläschen in den Müllbehälter stopfte dachte ich: “Was mache ich denn da? So ein dickes Stück Plastik für 20 Sekunden Trinkvergnügen?!” Echt, das habe ich gedacht. Ich bin weder total umweltbewußt, noch das absolute Gegenteil davon. Irgendwas dazwischen, wie die meisten wahrscheinlich. Aber das war ein Schlüsselerlebnis. Dann habe ich im Supermarkt mal darauf geachtet, was ich so alles in den Einkaufswagen packe: Käse, Toast, Milch, Shampoo, Pomelo, Tomaten… überall Kunststoff.

Antiplasts unite!
Bild: photocase.com

Ich habe bisher nur eine vage Vorstellung davon, wie sich dieser Plastikkonsum auf die Umwelt auswirkt. Keine Zahlen, Daten, Fakten. Es ist auch nicht so, dass mich diese Messbarkeit je großartig beeindruckt hat. Es werden täglich Regenwaldflächen in der Größe von 123* Fußballfeldern plattgemacht, die Entfernung zwischen Erde und Mond sind 1.563.672* Kühlschränke und man könnte 73.684* langgezogene Schweinedärme um Deutschland herum legen. O-keh! Zahlen berühren mich nicht sehr. Aber schon, was das mit mir, meinem Körper, meiner Zukunft, meinem tier- und menschenliebenden Herzen macht. Also was macht soviel Plastik in meinem Leben mit mir, meinem Körper, meiner Zukunft, meinem tier- und menschenliebenden Herzen?

Das will ich herausfinden. Ganz unwissenschaftlich, unverbissen und entspannt. Und deswegen gibt es für dieses Jahr eine Challenge für mich. Auch eine Transformation: ich werde der Antiplast! Yeah!

Ich werde versuchen, so wenig Kunststoff wie möglich zu benötigen. Das ist schon eine Herausforderung. Allein heute bei meinem heutigen unbedachten Silvestereinkauf habe ich bestimmt ca. 500 gr Plastik gekauft (Shampoo, Badeschaum, Toast, Zahnpasta, Hüttenkäse…) Ich werde sicher nicht alles vermeiden können und auf manches auch nicht verzichten wollen. Ich werde jedenfalls versuchen, weniger Kunststoff, den ich nach 2 Tagen wieder in die Tonne schmeißen würde, nach Hause zu schleppen.

Wer macht mit? Antiplasts unite!

*alle Zahlen erfunden

Wichtelgeschenk-Assoziationen

7. Dezember 2009

Mein Wichtelgeschenk über Chikatze’s Blogwichteln habe ich Sonntag Nacht kurz nach meiner Rückkehr aus Berlin geöffnet. Schlichte Neugier liess mich nicht länger warten. Und ich bin danach mit einem sehr guten Gefühl schlafen gegangen. Zunächst hat mein Blogwichtel Angie absolut das richtige Gespür gehabt und mir ein schönes Notizbuch geschenkt. Ja, kann ich definitiv gut bebrauchen. Dazu hat sie mir noch ein Pompadürchen gestrickt… Aha! Es ist ein kleines Beutelchen, in das man Dinge stecken kann, die in der Handtasche nicht herumpurzeln sollen. Sehr praktisch, denn in meiner Handtasche, wenn ich denn eine trage, purzelt immer alles. Kann ich ebenfalls sehr gut gebrauchen.

Ein Stühlchen Weihnachts-Handschuh, -Stiefel und -Mütze…

Chikatze's Blogwichteln Wichtelgeschenk

Das Highlight dieses Wichtelgeschenks ist aber der beiliegende Brief. Zwei Seiten lang. Darin alle Gedanken, die sich Angie zu mir und einem möglichen Wichtelgeschenk gemacht hat. Das berührt mich echt. Nicht nur, weil sie sich Zeit für die Recherche genommen hat, sondern auch weil sie mir all ihre Assoziationen mitgeteilt hat. Fast immer hat sie mich dabei ziemlich genau durchschaut. Ja, ich mag Manga, aber nicht alles. Nein, ich habe keine Bentobox, obwohl ich nicht nur die japanische Sprache, sondern auch die Kultur faszinierend finde. Nein, ich gehe nicht geocachen bzw. hab’s erst einmal gemacht. Und doch habe ich eine Stirnlampe… - aber keine heizbaren Einlegesohlen :) Stimmt, musikalisch bin ich eher Alternative und jenseits des Mainstreams zu finden. aber auch mitten drin. Und Jazz mag ich auch. Stimmt, unsere WG-Wohnung ist sehr urban. Aber Vitra Möbel finden sich hier nicht. IKEA schon ;)

Ok, das erste Mal wurde mir vor Augen geführt, dass sich doch so allerhand Privates aus meinen Online-Aktivitäten zusammenreimen lässt. Nicht, dass ich dem jemals wiedersprochen hätte, aber so deutlich wurde mir das noch nie vorher :)

Jedenfalls vielen Dank Angie! ich freue mich sehr über deine Geschenke und deinen Brief. Und vielen Dank Chikatze für die Blogwichtel-Aktion :)

Fragen kostet nix! Antworten bekommen auch nicht.

14. Oktober 2009

The best things in life are free” heißt es in diesem Song.

Viele Menschen sind nicht bereit, irgendwas mit anderen Menschen zu teilen, wenn sie keine Gegenleistung erwarten können. Es fällt vielen sogar schwer, sich ein Lächeln abzuringen. Wenn es um das eigene mehr oder weniger hart erworbene Wissen geht, fällt es noch schwerer davon etwas zu verschenken. Ich finde BarCamps beispielsweise so großartig, weil dort nämlich Wissen freigiebig geteilt wird. Dort sind sich viele eben nicht zu Schade, Know-How weiterzugeben. Und das führt zu sehr viel gegenseitiger Inspiration.

Bei g50 bin ich kürzlich auf dieses Bild gestossen und dachte: wow, wie cool ist das denn?! Das mache ich auch. Just for fun.

Am 15.10., also kommenden Donnerstag, werde ich mit ein paar anderen Leuten, die ich (als @k_laydo) über Twitter “angeheuert” habe vor dem Limbecker Platz in Essen stehen und kostenlose Ratschläge geben. Das Themenspektrum ist vielfältig. Wir sind da offen für alles :) Das ganze ist keine reine Funveranstaltung. Wenn ernsthafte Fragen gestellt werden, werden wir versuchen sie auch so gut wie möglich zu beantworten, bzw einen möglichst guten Ratschlag zu allen Lebenslagen geben. Mal sehen, wie sehr wir gefordert werden. Aber natürlich steht der Spass an der Sache schon im Vordergrund.

Wer Lust hat, unser Kompetenzteam zu erweitern, ist herzlich eingeladen, am Donnerstag gegen 17:30 Uhr vor dem Limbecker Platz in Essen zu erscheinen.

[Foto oben: Urheber leider nicht bekannt]
[Foto unten: laughlin via flickr]

Musik liegt in der Luft - Norwegen // Teil 2

30. Juli 2009

Das Getümmel ist auf der Karl Johans gate, die Einkaufsstraße von Oslo. An einem Ende ist der Hauptbahnhof am anderen der Königspalast. Dazwischen, wie es sich für eine Einkaufsstraße gehört, Shops, Cafés, Kneipen. Viele Leute waren unterwegs. Definitiv einige Touris, viele Freundegrüppchen, ambitionierte Shopper, gelassene Flaneure. Und alle paar 20 Meter Straßenkünstler. Straßenmaler, Solomusiker, Comedians, Bands, Panflötenspieler aus den Anden (na klar), Artisten, lebende menschliche Statuen. Für jemand, der auf der angeblich längsten Einkaufsstraße Deutschlands wohnt (Marktstraße Oberhausen jaha! ) gibt es auf der Karl Johans gate auf jeden Fall viel zu sehen. Ich fande es angenehm.  Die Straße lebt, das finde ich gut. Bedrückend fande ich allerdings die vielen Bettler dort. Viele platzieren sich in die Nähe der beliebtesten Acts auf dem Pflaster und hoffen, dass auch für sie ein paar Kronen übrig sind.

Trotzdem. Es ist schön dort. Gibt es hier im Ruhrgebiet überhaupt eine Straße, in der nicht nur der Konsum, sondern auch die Kunst im Vordergrund steht? Mir fällt da nichts ein. Da ich nicht zum Einkaufen in Oslo war, fande ich es großartig auf dieser Straße von einer Show zur anderen zu gleiten.

Oslo - Karl Johans gate

Gestern habe ich citysounds entdeckt. Eine Art Musikarchiv der Metropolen dieser Welt. Auch Oslo ist dabei, z. Zt. unten rechts. Oh, schade jetzt ist’s nicht mehr drin. Wurde überholt von Leeds. Vielleicht ist Oslo aber bald wieder drin.

Zwischen der Karl Johans gate und dem Hafen am Rathaus und Aker Brygge ist kaum was los. In Aker Brygge ist ein großes Einkaufzentrum, dass aber architektonisch kein Schlag auf’s Auge ist, weil viele alte Gebäude der ehemaligen Industriefläche umgewandelt wurden. Und ein weiterer Pluspunkt ist die Promenade mit zig Restaurants direkt am Oslofjord. Da wo der blaue Blub ist, saßen wir und haben ein, zwei erfrischende Biere mit Blick auf den Fjord genossen.


Oslo auf einer größeren Karte anzeigen

Frydenlund

Oslofjord

Der rote Blub ist das Opernhaus Oslo. Und es ist großartig. Ich zitiere jetzt mich selbst, indem ich die wiederhole, was ich schon bei flickr geschrieben habe:
Ein großartiges Gebäude. Konzipiert vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta und 2009 mit dem Mies van der Rohe European Architecture Award ausgezeichnet.

Mein Herz schlug mal sehr für Architektur und hier fing es wieder an zu pochen. Innen wie außen ein Erlebnis. Und ich fande es großartig, dass das Opernhaus für neugierige Besucher auch tatsächlich geöffnet war. Die Wand und Bodenoberflächen sind so vielfältig. Überall bleibt das Auge hängen und trotzdem ist das Haus an Schlichtheit nicht zu überbieten. Sogar die Toiletten sind einen Besuch wert.
Aussen kann man ebenfalls nahezu alle Ebenen und Schrägen begehen. Man sieht auf dem Foto auch, dass das durchaus sehr viele Leute tun. Auch wenn ich Orte mit etwas mehr Patina meistens schöner finde, so fande ich das Opernhaus absolut faszinierend. Dekoriert mit Oslofjord und dicken Wolken ist dieser Ort schon was Besonderes. Auch Nachts.

Oslo Opera House

Warum ich wieder nach Oslo reisen würde:
1. weil ich habe eine kurze, aber schöne Zeit dort verbracht
2. weil ich möchte gerne das Kon Tiki Museum besuchen. Das Museum beherbergt viele originale Fahrzeuge/Boote und andere Gegenstände von den Expeditionen des Wissenschaftlers und Abenteuers Thor Heyerdahl. Zum Beispiel das Floß Kon Tiki, mit dem er den Pazifik von Südamerika nach Polynesien überquerte um zu beweisen, dass die Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus möglich war. Ich habe die Bücher zur Kon Tiki und zur Ra Expedition gelesen und bewundere Heyerdahl sehr für seine Art von Experiment.
3. weil ich möchte gerne das Fram Museum besuchen. Dort ist das “stärkste Holzschiff” der Welt ausgestellt. Die Fram ist ein Schiff, mit dem drei Polarexpeditionen durchgeführt wurden (Nansen, Sverdrup, Amundsen).
4. weil ich gerne die Mini Bottle Gallery besuchen möchte
5. weil ich ein Konzert in der besten Kneipe der Stadt erleben möchte. Wer einen Tipp hat, her damit :)

Zur Unterkunft:
Das Hostel Sentrum Pensjonat in Oslo liegt ziemlich zentral nur ca 300 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Hier hatten wir am Anreisetag noch das letzte Doppelzimmer erwischt. Es ist ein Hostel und da muss man die Ansprüche nicht hochschrauben. Aber im Ganzen war es doch ziemlich abgeranzt. Auf allen Etagen waren Toiletten, aber nicht jede war auch in Kombination mit funktionierendem Waschbecken. Die Duschkabinen (insgesamt 5 ) fande ich ok, wir haben allerdings schon gegen 6 Uhr morgens das Hostel verlassen, sodass wir wahrscheinlich die Ersten waren, die sie betreten haben.Immerhin, es gab kostenfreies WLAN. Wir hätten uns DVDs ausleihen können und Handtücher gab es auch.

Die letzte Nacht während der Tour haben wir im Hotel P übernachtet. Ein Budgethotel ohne Schnickschnack, aber sauberen Betten, Fernseher (wer’s braucht ;) ), kostenfreiem WLAN, eigener Toilette und Dusche und ebenfalls sehr zentral gelegen. Wir haben in Bergen 2 Nächte und in Oslo eine Nacht dort gebucht und es war okay.

Es folgt ganz bald: Wanderlust - Norwegen Teil 3

[Fotos: Klaudia Pirc]

Ins Land der exzentrischen Os - Norwegen // Teil 1

28. Juli 2009

Jetzt, wo ich mich gerade eineinhalb Wochen nach meiner Rückkehr doch dazu durchgerungen habe, den Rucksack endgültig komplett auszuräumen und im Schrank zu verstauen, dachte ich, wäre der richtige Zeitpunkt ein wenig über meine Norwegen-Tour zu berichten.

Kurz die groben Fakten:
Reisezeit: 11.7. bis 19.7.
Stationen: (Weeze - Torp) - Oslo - Finse - Geiteryggshytta - Steinbergdalen - Østerbø - Vassbygdi - Flåm - Aurland - Bergen - Oslo - (Torp - Weeze)
Fortbewegung: Flugzeug, Bus, Zug, zu Fuß, Speedboat

In erster Linie, wollte ich Norwegen, um das Wandern auszuprobieren. Ich wollte sehen, ob das was für mich ist und ich kann schon vorab verraten: Ja, das ist es! Norwegen sollte es sein, weil ich erfahren habe, dass selbst zur Hochsaison die Wanderstrecken ziemlich menschenleer sind, zudem die Landschaft spektakulär schön und ausserdem die Wanderrouten vom Norwegischen Wanderverein sehr gut gepflegt, also bestens ausgeschildert sind.

Mein Laufbuddy und langjähriger Freund des Hauses/der WG T. wollte gerne mitkommen, um während der Wanderung seine neuen Wanderstiefel für seine Bergbesteigung im August einzulaufen. Diesen Wunsch konnte ich nicht abschlagen, zumal ich somit auch noch einen erfahrenen Wanderer an meiner Seite hatte.

Ich habe mir am Tag vor der Abreise beim Twittagessen in Essen einige irritierende Chaos- und Horrorszenarien bezüglich Ryan Air zu Gemüte geführt und auch selbst meine Hören-Sagen-Geschichten zum Besten gegeben. So standen wir also am Flughafen Weeze. Relaxed war ich da noch nict. Erst als der Check-in problemlos lief und wir auf der anderen Seite der Security waren, habe ich auch innerlich mein Ticket nach Norwegen gelöst. Mit dem Flugzeugstart drückten sich  mein Körper und meine Gedanken zum Alltag fest in den Sitz. Die Gedanken blieben drin und mein Reise-Urlaubs-Wanderer-Forscher-Geniesser-Körper löste sich voller Vorfreude wieder ab. Yeah!

Die Tour war nur zum Teil durchgeplant. Ich hatte jedenfalls eine ganz gute Vorstellung von den ersten 5 Tagen in denen auch die Wanderung stattfinden sollte. Danach wollte ich es unserer Lust und Laune überlassen, wie es weitergeht. Soweit Planung und Vorbereitung nötig waren, habe ich alle Vorkehrungen alleine getroffen. T. konnte sich also entspannt auf mich als Guide verlassen. Vielleicht hätte ich ihn aber doch etwas mehr in meine Reiseplanung vorbereiten sollen. Denn als wir im Flugzeug das ausländische Geld bestaunen wollten, fiel auf, dass er sich schön mit dänischen Kronen eingedeckt hat! Stellt euch an dieser Stelle einen minutenlangen Lachflash vor! Eine Reise sollte man IMMER mit einem Lächeln im Gesicht beginnen.

Ankunft in Torp (das ist das Düsseldorf von Oslo), Bus nach Oslo erwischt, 2 Stunden Fahrt, am Bahnhof kichernd Geld gewechselt, Hostel im Reiseguide ausgewählt, hingelaufen, eingecheckt. Schuhe aus, einatmen, ausatmen, Schuhe an und raus ins Getümmel…

Es folgt ganz bald: Musik liegt in der Luft - Norwegen // Teil 2

Treppenstufe in Bergen

[Foto: Klaudia Pirc]

Was ich weiß und was ich nicht weiß - Teil 2

20. Juli 2009

Hiermit teile ich mein Wissen und mein Nicht-Wissen. Macht damit was ihr wollt.

Was ich weiß:
Ich weiß ganz genau die Koordinaten meines jetzigen Standortes

Was ich nicht weiß:
Ich weiß nicht, wo genau die Schwermut, die mich befallen hat, lokalisiert ist.

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Diese Reihe ist inspiriert durch meinen Tweet:

Nicht-Wissen

Schöne kleine Welt

8. Juli 2009

Nie zuvor war der Mensch mit so unglaublich vielen Orientierungsgadgets ausgestattet wie heute. Und nie zuvor hat er sich so häufig in der Wildnis verirrt wie heute. Das kann ich leider nicht mit Zahlen und Statistiken belegen. Muss ich auch als Nicht-Qualitätsjournalistin nicht. Aber im Grunde ist das auch ganz einfach zu erklären. Wir gehen in die Natur, um zu wandern, einen Berg zu besteigen, die Antarktis zu durchqueren, einen Vulkan von innen zu erforschen oder den Niger von der Quelle bis zur Mündung in einem Paddelboot zu befahren. Wir wollen das am liebsten ganz allein machen, die Wildnis mit allen Sinnen spüren, an unsere (vermeintlichen) Grenzen gehen und uns und allen anderen beweisen, dass wir ziemlich tough sind und mit dem besten Orientierungssinn seit Menschengedenken ausgestattet sind.

Wir legen also unser GPS-Gerät ums Handgelenk, das Handy in den Rucksack und legen dazu vorsichtshalber noch ein Satellitentelefon.  Und los geht’s. Wir haben alles im Griff, die Welt im Handgepäck und am Handgelenk. Kontrolliertes Abenteuer. Und dann?

worldmap

Ja, dann bleibt unser Handgelenk-GPS bei einem unvorhergesehenen (natürlich) Sturz über einen rutschigen Abhang irgendwo in den Sträuchern hängen. Wir klettern wieder hoch, suchen stundenlang und finden es nicht wieder. Das Satellitentelefon ist beim Sturz in seine Einzelteile zerfallen und mitten im Niemandsland gibt es keinen Netzempfang. Die vorsichtshalber mitgenommene Landkarte ist in einem viel zu hohen Maßstab, denn eigentlich brauchten wir sie ja gar nicht. Und einen Kompass haben wir gar nicht erst mitgenommen. Die schöne kleine Welt ist plötzlich riesig. Wir haben keine Ahnung von Sternkonstellationen und wie man daraus bei Nacht die Himmelsrichtungen erkennt, “Nie-ohne-Seife-Waschen” hilft uns am Tag auch nicht weiter, mit Wolkenformationen können wir nichts anfangen und Wanderbewegungen von Tieren haben wir als Metropolenbewohner auch nie zu deuten gelernt. Wir sind orientierungslos.

Ok, der professionelle Abenteurer hat seine Erfahrungen gemacht und wird sich nicht völlig dem trügerischen Komfort technischer Errungenschaften ausliefern. Einem unerfahrenen und naiven Naturabenteurer wie mir, könnte so was aber ganz leicht passieren. Meine (kurze) Wanderung durch Norwegen werde ich relativ old school machen. Mein Handy nehme ich mit. Ich werde es aber voraussichtlich nicht nutzen können, abgesehen davon, dass es mir bei der Orientierung auch nichts nutzen kann. Wanderkarte und Kompass müssen genügen. Da es sich um eine angeblich gut beschilderte Wanderroute handelt, ist das Risiko, mich zu verirren, extrem gering. Beim nächsten Mal bin ich dann mutiger / übermütiger. Und vielleicht habe ich es bis dahin auch mit den Sternen raus.

Damals, als ich noch Heidi war, bin ich mich mit Freude in die riesigen Maisfelder meiner Oma gestürzt. Ganz tief rein, sodass ich nur aus weiter Entfernung die energischen Rufe meiner Oma hören konnte. Damals hatte ich vor Orientierungslosigkeit keine Angst.

Reisen til Norge

8. Juli 2009

Meine Norwegen-Tour steht kurz bevor. Am Samstag fliege ich nach Oslo, am Sonntag sitze ich in der Bergenbahn nach Finse und dann geht’s auf Schusters Rappen Richtung Aurlandsfjord.

norwegen_fjord

In fünf Tagen oder so. “Oder so”, weil ich mir nicht ganz sicher bin, ob das in der Zeit klappt. Theoretisch ja, aber praktisch ist das unsicher, denn:

  • ich bin noch nie fünf Tage hintereinander gewandert
  • die Strecke ist mir völlig unbekannt
  • das Wetter soll regnerisch sein
  • ich muss bis Samstag lernen einen Kompass zu bedienen (muss ich?)
  • ich werde selten, wenn überhaupt Netzempfang haben
  • ich könnte bei der schönen Landschaft alles um mich herum vergessen, die Orientierung verlieren und mich daher einer Lemmingwanderung anschliesssen und dann.. ihr wisst schon

Das schreckt mich natürlich alles nicht ab. Ich habe zwar noch nie soviele Reisevorbereitungen, wie für diese Tour, getroffen, habe mich aber auch noch nie in so eine menschenleere Gegend begeben. Vorsichtshalber mache ich die Wanderung diesmal nicht allein, auch wenn mir danach wäre. Ich könnte tagelange zwischenmenschliche Kommunikationsabstinenz ganz gut vertragen. Mein Begleiter ist ein wandererfahrener Freund, der zudem auch noch Krankenpfleger, also ne ganz gute Partie ist.

Schon wieder stelle ich fest, dass ich hier wieder ein wenig am geplanten Thema vorbeigeschrammt bin. Dieser Beitrag hieß bis gerade eben noch “I am not lost, I am exploring”. Jetzt heißt er halt “Reisen til Norge”, also “Reise nach Norwegen”.

Übrigens: ich werde nicht niemals in einem Fjord schwimmen! Um eine amouröse Punktlandung zu machen, habe ich mich damals mal kurzzeitig mit Fjorden beschäftigt. Ja, ich wollte mit Wissen überzeugen. Heute weiß ich, dass das nur ganz bedingt funktioniert. Ich weiß jetzt aber auch, dass ein Fjord kein Ententeich ist und dass ich wahrscheinlich eher im Amazonas schwimmen würde, auch wenn ich das auch schon mal als undenkbar bezeichnet habe.

Ich übersetze jetzt noch Rüdiger Nehbergs überlebenswichtige Vokabelliste ins Norwegische. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

[Foto von *saipal bei Flickr]

Was ich weiß und was ich nicht weiß - Teil 1

2. Juli 2009

Diese Reihe ist inspiriert durch meinen eigenen Tweet. Jaha, kann passieren.

Nicht-Wissen

Hiermit teile ich mein Wissen und mein Nicht-Wissen.
Macht damit was ihr wollt.

Was ich weiß:
Ich weiß, was Humphrey Bogarts angeblich letzten Worte waren.

Was ich nicht weiß:
Ich weiß nicht, wie man auf der Kirmes nach einer Fahrt auf dem Frisbee die Eingeweide wieder richtig sortiert.