Glaubwürdig und gutgläubig. Ein bisschen wie Schneewittchen.
17. September 2008Ich bin berüchtigt für meine wahnsinnig gut nachvollziehbaren Argumente für die richtige Antwort bei “Wer wird Millionär”. Berüchtigt deshalb, weil ich mit meinen tollen Hintergrundgeschichten die Zweifler auf meine Seite ziehen kann und sich dann aber manchmal herausstellt, dass die so tolle und kenntnisreiche Begründung überhaupt nicht stimmt. Upps! Und dabei will ich meinen Freunden und Mitbewohnern gar keinen Bären aufbinden. Ich glaube ja selbst an das was ich sage!
Naja, sie nennen das “Klaudias Blaubartgeschichten”. Das erste Mal als ich mich so dermaßen blamiert habe, ging es um eine Frage, die mit der Märchenfigur Blaubart zu tun hatte. Außerdem bin ich, obwohl ich, ohne scheiß, wirklich viel weiß, als potentieller Telefonjoker disqualifiziert. Ich bin einfach zu glaubwürdig.

Ich bin aber nicht nur glaubwürdig, sondern auch sehr gutgläubig. Ja, ich glaube den Leuten, wenn sie mir erzählen, sie hätten dies und das getan, diesen und jenen Job gemacht und ich stelle sowas einfach nicht von vornherein in Frage, auch wenn es noch so verrückt klingt. So hat mir der niederländische Kameramann während der Thailandreise erzählt, er habe davor als Praktikant in einer niederländischen Kuchenbäckerfabrik am Fließband gestanden. Hab ich ihm geglaubt. Als ich nach Details fragte, erzählte er noch ein bisschen was, konnte sich aber irgendwann nicht mehr zurückhalten und prustete los, das sei doch alles Quatsch gewesen.
Kürzlich bin ich dem Webteam der Duisburger Philharmoniker aufgesessen, die behaupteten ein neues Twittertool entwickelt zu haben. Mein Interesse war geweckt. Es war aber nur ein gut gelaunter ein Witz. Das waren nur zwei von vielen, vielen Vorfällen…. Oh, manno!
Ja, mit mir kann man sowas machen!
Aber warum?
- Ich kenne jemand, der mit einem Paraglider in einem Basketballkorb gelandet ist.
- Ich kenne jemand, der den Steinbeißer aus der Unendlichen Geschichte gestaltet hat.
- Ich kenne jemand, der eine mannshohe Penisskulptur im Garten stehen hat.
- Ich kenne jemand, dessen Frau von Brad Pitt am Hintern begrabbelt wurde.
- Ich kenne jemand, der einige Wochen in einer Tiefgarage gelebt hat.
- Ich kenne jemand, der monatelang asketisch mit einem Aikido Meister im Wald gelebt hat.
- Ich kenne jemand, die auf jeder Wiese unglaublich viel Glücksklee findet.
- Ich kenne jemand, die Tiersärge gestaltet.
- Ich kenne jemand, die 15 Jahre lang Welt umsegelt hat.
- Ich kenne jemand, die totgesagt wurde und immer noch lebt.
- Ich kenne jemand, der in einer kargen Hütte an der Adria wohnt und sein Essen täglich frisch fängt.
- Ich habe mal von jemand nach 10-minütiger Bekanntschaft eine goldene Kreditkarte in die Hand gedrückt bekommen mit den Worten “Geh mal shoppen. Mein Fahrer fährt dich.”
- Ich kannte mal eine echte Kräuterhexe.
- Ich habe mal unvorbereitet das slowenische Abi in Geografie bestanden (mit Ach und Krach).
- Ich weiß warum Dr. Evil immer seinen kleinen Finger an den Mund hält.
- Ich habe mal einen wilden, kämpfenden Wolf in unmittelbarer Nähe vor dem Fenster gesehen.
- Ich habe mal Panik bekommen, weil ich dachte ich wäre blind geworden (vergessen die Augen zu öffnen).
- Ich hatte mal ein Jokerface.
- Ich halte “Currywurstbude auf den Azoren” für eine gute Geschäftsidee.
Jetzt habe ich kurz nachgedacht und und habe diese Geschehnisse, Lebenskonzepte und zwei oder drei Geschäftsmodelle aus meinem Gedächtnis ausgekramt.
Bestimmt kennt ihr noch kuriosere Leute und garantiert habt ihr auch viel ungewöhnliches erlebt. Wenn also jemand kommt und sagt “Hallo ich bin Beate. Ich mache Tiersärge!” da wundere ich mich doch nicht, sondern freue mich, dass ich so eine Person kennen lerne, oder? Und wenn jemand kommt und sagt “Mensch, was ich wirklich machen will, ist eine Currywurstbude auf den Azoren.” dann denke ich, hey, ist ja insprierend, dass Leute so verrückte Träume haben. Und wenn jemand sagt “Klaudia, das war nicht so ernst gemeint, was ich erzählt habe” dann sage ich, tja, aber möglich wär’s schon.
Ich fasse zusammen: ich bin nicht ganz so naiv wie Schneewittchen und ungefähr so neugierig wie Rotkäppchen. ![]()
[Foto via photocase von judigrafie]















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