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Du bist hier: Verloren

In den letzten Tagen habe ich häufiger über’s Verlorensein nachgedacht. Ich fühle mich zwar gerade nicht verloren, aber manche Gedanken sind ja antizyklisch.

Vor einiger Zeit habe ich hier auf Knospenspringen einen Beitrag zur Orientierungslosigkeit geschrieben. Da bezog ich mich auf das Verlorensein im Raum. Diesmal geht es mir um das emotionale Verlorensein. Das ist ja ein Zustand, den wohl die meisten fürchten oder zumindest als nicht besonders wünschenswert empfinden. Fragen wie “Was soll ich jetzt tun?”, “Wie geht es weiter?”, “Was will ich überhaupt?” stellen sich dann. Mit Gedanken wie “Was mache ich eigentlich hier?”, “Wie bin ich überhaupt hierher gekommen?” versucht man zu ergründen, warum man sich im eigenen Wohnzimmer verloren fühlt, oder inmitten von Menschen, die man eigentlich lange kennt. Oder man fühlt sich beruflich verloren.

Auf sowas möchten wir gerne verzichten, denn wir haben für eine solche Orientierungslosigkeit auch gar keine Zeit, oder? Man erwartet von uns doch auch, dass wir stets wissen, wohin wir wollen und wo wir gerade stehen. Schon von klein auf fragt man uns, was wir werden wollen und später, wo wir uns in drei, fünf oder zehn Jahren sehen. Wer da keine Orientierung hat, wirkt in unserer Gesellschaft schwach im besten Fall irgendwie sprunghaft, unbeständig.

Ich frage mich aber, ob diese Frage, also wo ich mich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft sehe, von den meisten Menschen wirklich voller Überzeugung beantwortet wird. Die meisten werden irgendwas sagen, was den Erwartungen des Gegenübers entspricht und die Einstellung, Anerkennung oder Gehaltserhöhung verspricht. Das ist ok. Ich habe das auch schon getan. Ich habe aber gelogen. Weil ich nicht wußte, wie mein Leben fünf Jahre später sein sollte. Und tatsächlich ist es ganz anders verlaufen, als ich es in diesen (beruflich erfolgreichen) Gesprächen ausgemalt hatte. Dafür gibt es doch viel zu viele Unbekannte. Ich mag mich da nicht festlegen. Ich lege mich nur fest, auf das Ziel, in fünf Jahren ein glückliches Leben zu führen. Und morgen und im nächsten Winter und mit 65. Und überhaupt. Jetzt.

Das Verlorensein, dieses nicht Wissen, wie meine Zukunft, vielleicht auch die nächsten Tage  sich entfalten, ist für viele unerträglich. Ich selbst finde es schwierig, wenn ich nicht weiß, wie sich die nächsten wenigen Monate entwickeln. Bei allen anderen weißen Flecken auf der Landkarte der Zukunft bin ich relativ entspannt.Vielleicht weil ich ein Glückspilz bin und sich die Dinge trotz schwieriger Phasen immer zu meinem Gunsten gefügt haben.

Das Verlorensein ist eine Chance, auf der Suche nach dem richtigen Weg, Dinge, die des Weges liegen zu entdecken, auszuprobieren und sich wie in einem Jump & Run Game mal zu ducken, mal zu kämpfen und mal die Bonuspunkte zu kassieren. Ja, vielleicht ist es einfacher, akzeptierter und sicherer einen konkreten 3-5-10-Jahresplan in der Tasche zu haben.  Den eigenen Fortschritt immer fest im Blick. Aber hey, wer von euch hat den 3-5-10-Jahresplan wirklich? In Wirklichkeit habt ihr doch auch alle eure zerknitterten, geheimisvollen und bunt bemalten Schatzkarten in der Tasche, die ihr heimlich rausholt, wenn niemand euch über die Schulter schaut. Manchmal verläuft man sich damit halt.

Schatzkarte

[Foto: stuttermonkey via flickr]

In fünf Jahren möchte ich den ganzen Winter meine Füße in warmes Südseewasser tauchen, leckere Cocktails trinken, entspannte Musik hören und mit meinen Freunden lachen und abends unterm Sternenhimmel einschlafen. Ich will noch mehr Liebe. Und eine Katze. Und ein Boot.

Ay!

5 Antworten to “Du bist hier: Verloren”

  1. Chikatze sagt:

    Ich komme mit! :)

  2. Chikatze sagt:

    (Upps, kein Kommentar-Abo mehr hier???)

  3. Klaudia Pirc sagt:

    ja, komm mit :)
    kein Kommentar-Abo mehr. Stimmt. Ich wollte da eigentlich dran bleiben hab’s aber vergessen. Es gab doch mal so ‘ne Abmahnsache wegen dieses Plugins “subscribe to comments” und da habe ich es gelöscht. Welches Plugin nutzt du denn?

  4. maxx sagt:

    was du heute denkst, wirst du morgen sein (Buddha)

  5. Klaudia Pirc sagt:

    @maxx Buddha sagte das auch schon? Gut, ich werde das noch stärker beherzigen.

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