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Todo: tue Eines nach dem Anderen

Für alle, die es eilig haben: in diesem Beitrag geht es um Unitasking vs. Multitasking. Irgendwie. Und ja, es geht auch um mich. Am Ende gibt es eine Übung für alle.

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich auf viele Situationen neu eingestellt. Vieles ist nicht mehr wie es in den letzten Jahren war und Vieles wird sich auch in unmittelbarer Zukunft drastisch ändern. Stichpunkte: Wohnungs/WG-Auflösung, mehrmonatiger Asienaufenthalt, berufliche Um-, nicht Neuorientierung. Ich bleibe vorerst kryptisch, möchte aber betonen, dass die meisten Änderungen von mir selbst ausgelöst wurden. Mitleid ist also meinerseits von euch nicht verlangt. Ich beschwere mich gerade nicht darüber, dass die Dinge über mich hereinbrechen und ich zusehen muss, wie ich damit klar komme ;) (Auch wenn ich in etwas dünnhäutigen Momenten bestimmt den Eindruck mache. (Anm. der Redaktion ))

Kurz, ich muss/möchte/werde mein Leben neu gestalten und zwar drastisch und wenn’s geht zügig. Das bedeutet, ich habe einen Haufen Aufgaben, die ich erledigen muss, damit das auch einigermassen funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Und, wie es halt so ist, stehen Wollen und Können oft soweit auseinander, dass sich noch nichteinmal die Fingerspitzen dieser beiden berühren.

Warum?

Weil sich ungefähr alle Schrillionen Todo’s, die ich auf Listen, in meinem Kopf und den Handflächen notiert habe, gefühlt gleichzeitig in mein Bewußtsein und Unterbewußtsein drängen. Die wichtigen und die unwichtigen.

Und, ich tue ständig so viele Dinge gleichzeitig. Hier ein einfaches und unverfängliches Beispiel:
Ich nehme meine leere Tasse vom Terassentisch, möchte sie in der Küche mit leckerem Tee auffüllen,
auf dem Weg dorthin fällt mir im Regal ein Fotobuch mit chinesischen Propagandapostern auf, dass ich unbedingt schnell durchblättern muss, lege es weg,
komme am Rechner vorbei, checke, ob der Kunde sich schon zurückgemeldet hat (hat er nicht),
schreibe einen Reply auf Twitter, klicke auf einen interessanten, beruflich äusserst relevanten Link, lese,
stelle fest, dass ich Durst habe, suche meine Teetasse auf dem Schreibtisch, stehe auf, bin verwirrt,
finde die Teetasse im Wohnzimmer auf dem Tisch, nehme sie, laufe zur Küche,
auf dem Weg hebe ich ein heruntergefallenes Ficusblättchen auf, überlege, ob ich doch keinen grünen Daumen mehr habe, denke daran, dass ich die Pflanzen bald alle loswerden muss (aber wie?),
erreiche die Küche, stelle die Tasse schnell ab, weil das Telefon klingelt,
wimmele den Anruf eines Tintenpatronenverkäufers ab,
denke daran, dass ich einen Termin beim Arzt zur Impfberatung machen muss,
checke meine Mails,
habe Durst, suche meine Tasse, bin diesmal nicht verwirrt,
gehe in die Küche, sehe die Küche und denke “Hoffentlich kann ich die verkaufen, sonst muss ich die 6 Stockwerke runterschleppen!”,
nehme die Teekanne und gieße mir Tee ein.

Das alles hat dann nur schlappe 45 Minuten gedauert.

In den letzten Tagen scheint jede Zelle meines Körpers zu vibrieren. Nicht das gute, glückliche Vibrieren ist hier gemeint, sondern dass elektrisch geladene Hochspannungsvibrieren, ihr wisst schon.

In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder Phasen gehabt, in denen ich mich mit Buddhismus, Meditation, Yoga auseinandergesetzt habe. Die Konzentration auf eine Sache wird da oft beschrieben. Do one thing at a time! Das klingt sehr einfach ist aber ziemlich schwierig. Ich habe mich ja lange Zeit als Multitaskerin gesehen und fande das auch lange ziemlich cool. Irgendwann im Zuge meiner persönlichen Reifung und der Hinwendung zur Glücksforschung habe ich aber eingesehen, dass das natürlich Illusion ist und glücklich macht es auch nicht. Die Diskussion darüber, inwiefern unsere Leistungsgesellschaft so eine Mentalität fördert, und inwiefern wir als Mensch davon profitieren, möchte ich vielleicht ein anderes Mal führen.

Eines nach dem Anderen
[Foto: Klaudia Pirc aus der Reihe Berlin#42]

Es ist unheimlich schwierig nur eine Sache zu tun, z.B. sich mit einer Teetasse in die Küche zu begeben. Oder beim Zähneputzen sich nur mit dem Zähne putzen zu beschäftigen. Nicht dabei an ein bevorstehendes Kundengespräch denken. Und auch nicht an Sex. Das kann ich mittlerweile ganz gut, allerdings nur mit geschlossenen Augen. Oder bei der Recherche zu einem Thema im Internet nicht vom Thema abzukommen und schon gar nicht, sich von Twitter und Facebook ablenken zulassen.

Ich habe mich heute wieder daran erinnert, dass ich mehr Zeit habe, wenn ich mich auf Dinge, die ich tue konzentriere. Und während ich im Eilschritt unsere Wohnung von der einen Seite zur anderen durchquerte (wer die Wohnung kennt, weiss, dass man da ‘ne Weile unterwegs ist), kam ich mir in meiner Eile und den multitaskigen Gedanken in meinem Kopf plötzlich ziemlich lächerlich vor. Ich blieb abrupt stehen und setzte einen Fuß bedächtig vor den anderen. Irgendwann später erinnerte ich mich an diesen Audiostream von Gil Fronsdal “Doing one thing at a time“. Er dauert 9:28 Minuten und vielleicht könnt ihr euch das anhören, ohne dabei was anderes zu tun oder was anderes zu denken.

P.S.: ich gebe zu bedenken, dass Unitasking ein wenig beängstigend sein kann. Für die Flut der Dinge, die zu erledigen sind, scheint es einfach nicht genug Zeit zu geben. Mit ein wenig Übung verschwindet dieses Gefühl und macht Platz für mehr Ruhe und Ausgeglichenheit. Ich war vor einiger Zeit mal so weit. Jetzt fange ich fast wieder von vorne an.

11 Antworten to “Todo: tue Eines nach dem Anderen”

  1. Noch eine Ergänzung: Alles hat seinen Sinn und Zweck. Der ruhelose Geist kann auch Vorteile haben, weil er vielfältiger aufsaugt und damit Dinge verknüpfen kann. Aber er ist dann eben auch sehr schnell überhitzt.

    Von daher waren deine Ansätze von Meditation und Yoga sehr gut, denn das ist ja nichts anderes als ein Sammeln der Zerstreuung.

  2. Klaudia Pirc sagt:

    ich bin ja oft ganz froh, dass mein Geist eher ruhelos ist. Über Langeweile kann ich mich daher nicht beklagen und auch nicht über Ideenmangel und Antriebslosigkeit.
    Ja, die Fähigkeit zur Ruhe zu kommen ist dann ein wichtiger Aspekt bzgl der Lebensqualität. Ich arbeite wieder daran.

  3. Veit Rumpf sagt:

    ja klasse entscheidung,
    wo geht es denn in Asien hin?

    kann gerne tipps für gute Ziele bieten?

    lg Veit

  4. Karl Bremer sagt:

    Für den kleinen Geldbeutel, und um auch Kurzauszeiten vom Alltag zu nehmen, finde ich die Kalksteinküste von Rügen perfekt.

  5. Klaudia Pirc sagt:

    @Veit mein Plan ist, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Indonesien zu bereisen. Wenn es passt auch Myanmar und Malaysia. Ich möchte mir aber keinen Stress machen. Hast du Tipps für diese Ziele?

    @Karl bin mir gerade nicht sicher, ob dein Kommentar eher SEO-inspiriert ist, deshalb habe ich den Link rausgenommen. Aber ja, auf Rügen kann man bestimmt eine gute Auszeit nehmen. War noch nicht dort. Alles am Meer finde ich entspannend.

  6. Veit Rumpf sagt:

    Ich war selber in Thailand und Malaysia und habe viele Reiseberichte aus der Gegend gesehen/gehört (nicht von Indonesien).
    IMHO ist Malaysia weniger interessant, da es nicht so viele Strände gibt und es ein “Tigerstaat” ist (Wirtschaftswachstum). Teeplantagen sind bestimmt schön. Kuala Lumpur (Übersetzt: Mündung des schlammigen Flusses) hatte zwar bis vor Kurzem das höchste Gebäude der Welt, ist aber sonst unterinteressant.

    In Thailand war ich oft. Man sollte ein wenig länger in Bankok bleiben, da die Stadt viel bietet. Man kann in diesem Land ganz gut mit der Bahn von Norden nach Süden (auch bis nach Malysia rein) fahren.
    Die Gegend um Krabi (Kalksteinfelsen und Höhlen) ist toll.
    Zum Ausspannen empfehle ich Ko Lanta, wenn nicht Hochsaison ist. Weiter südlich gibt es muslimisch geprägte Provinzen, in denen Ausnahmezustand herrscht, die man aber vermutlich gut bereisen kann (mal erkundigen).
    Kaum Touristen findet man in der Gegend von Trang (da kenne ich netten holländischen Menschen, falls du Adresse brauchst) und an den vorgelagerten Stränden und Inseln (die aber etwas teurer sind).
    Der Norden ist auch sehr schön aber ggf. nicht mehr so interessant, wenn man viele strandlose Länder bereist hat.
    Laos soll auch sehr schön sein.

    Günstig ist es, sich ein “Motorrad” (5PS – Motorroller) zu leihen, wenn man fahren kann.

    Ich empfehle, pro Monat nicht viel mehr als ein Land zu bereisen

    Good Luck
    Veit

  7. Klaudia Pirc sagt:

    Danke, so viele Tipps! Ich habe vor ca 1 bis 1 1/2 Monate in jeweils einem Land zu bleiben. Da komme ich dann vermutlich auch etwas rum. Ich war mal ganz kurz für knapp 2 Wochen in Thailand und Kambodscha. War nicht geplant, sondern geschenkt und da war ich auch ziemlich happy. Jetzt will ich mir aber mehr Zeit nehmen. In Thailand bin ich vermutlich im Januar oder Februar. Ich bin auch nicht primär an Stränden interessiert. Das soll sich mit Stadtaufenthalten abwechseln.

    Bzgl. Malaysia habe ich von einem Homestay gehört. Das finde ich interessant. Ich habe das früher häufiger gemacht (Slowenien, England, Japan)und es war fast immer gut.

    Auf deinen Bekannten in Trang komme ich gerne zurück, wenn es soweit ist :)

  8. Veit Rumpf sagt:

    Hallo,
    grade gesehen, dass du geantwortet hast….

    Habe den alten Blog von “Happy Hans” gefunden.
    http://www.happy-hans.blogspot.com/

    Die letzte bekannte Mailadresse war
    Happy_hans1@hotmail.com

    Vor vielen Jahren (2002?) betrieben Ani und Hans in Trang ein kleines Touri-Schmuck-Karten-Schnickschnack-Geschäft (second-hand-bookshop) an einer Hauptkreuzung.
    Sie haben uns damals viele Tipps gegeben und gut geholfen.
    Wir haben dort damals hautnah das http://de.wikipedia.org/wiki/Vegetarian_Festival
    miterleben dürfen (nicht zum letzten Mal in Thailand).

    Hans ist ein sehr lieber Mensch. Grüß Ihn, wenn du Ihn triffst.
    Ansonsten ist Trang nur eine Provinzhauptstadt, nicht mehr und nicht weniger.. (Wenig Tourismus dort, alles hautnah…)

    hier gibt es eine alten Reisebericht über hans und ani.
    ko sukorn ist auch recht schön. eine muslimisch geprägte insel mit nur einem oder zwei ressorts.
    Da gab es damals nur 2 Autos drauf. Die europäisch geführte Anlage ist sehr schön (nicht wirklich billig für einheimische Verhältnisse).
    Das ist vielleicht ein Tipp:
    http://www.sukorn-island-trang.com/

    Viel Spaß

  9. Klaudia Pirc sagt:

    @Veit ja, ich hatte das Kommentarabo-Plugin ausgeschaltet. jetzt ist es wieder drin.

    Ob Happy Hans und Ani ihr Geschäft noch haben. Sollte ich durch Trang kommen werde ich das auf jeden Fall überprüfen. Das Vegetarian Festival werde ich wohl verpassen. Klingt aber sehr gut.
    Danke auch für den Sukorn Tipp. 2 Autos?! Wow, traumhaft. Das wird so wahrscheinlich nicht mehr sein.

  10. Veit Rumpf sagt:

    > 2 Autos?! Wow, traumhaft. Das wird so wahrscheinlich nicht mehr sein.

    Ich habe gesehen, dass es jetzt eine beonierte Strasse gibt…..

    Da wird sich aber nicht viel getan haben: Der Transport geschah damals von Trang aus mit einem Gemüsepickup (man saß mittendrin) und die Fähre auf die Insel hatte KEINEN Autotransport. Auch Benzinfässer wurden vor der Insel einfach über Bord geworfen und an Land gerollt…
    Man fragt sich eher, wie die Autos dort hingekommen sind….

    Zum Entspannen ist es sicherlich eine gute Sache, dort hinzufahren.

    Noch ein Tipp: Nicht Sonntag-Abends die Grenze Richtung Malaysia überqueren wollen… (Da kommen die ganzen Malayen aus Ihrem WE-Urlaub aus dem liberalen billigen Thailand zurück …. – Sextourismus..)

  11. Veit Rumpf sagt:

    Abschliessend: Viel Spaß :-)

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