Silvester reloaded - Motivationsbox

15. März 2009

Am Freitag waren wir beim O.Ton Poetry Slam. Der Slammaster Jonas Jahn hat dort einen Brief an das Silvesterfeuerwerk vorgelesen. Und das hat mich an eine mittlerweile drei Jahre alte Silvestertradition erinnert.

Silvester vor drei Jahren haben wir das erste Mal in unserer neuen Wohnung über den Dächern von Oberhausen gefeiert. Eine schöne und ausgelassene Party mit Freunden. Um Mitternacht standen wir alle auf der Terasse. Wir hatten einen überwältigenden Blick über die Silvesterraketenkulisse des westlichen Ruhrgebiets. Sowas hab ich nie zuvor gesehen. Wahrscheinlich weil ich nie vorher in einem ähnlich hohen Gebäude Silvester gefeiert habe.

Neben der objektiven Beobachtung, dass die Mülheimer scheinbar mehr Geld zum in den Himmel schießen haben als die Duisburger und Oberhausener zusammen, habe ich auch ganz subjektiv wieder festgestellt, dass Feuerwerke mein Herz schneller schlagen lassen. Und dieses in jener Nacht besonders. Wie auch immer, all das ist nur die Vorgeschichte zum Thema dieses Beitrags.

Ganz berührt und benommen von den visuellen Eindrücken und der dadurch verstärkten Verbindung zum eigenen Geist und Körper, bin ich ganz besonders tief in mich gegangen, habe das Jahr Revue passieren lassen und das kommende visioniert. Und als ich damit fertig war, wollte ich allen etwas Gutes tun und hab in gefühlten drei Minuten eine Pappschachtel mit Servietten beklebt, eine Hello-Kitty-Seitentasche angebracht und einen Schlitz in den Deckel geritzt. Fertig war die Motivationsbox!

Sie ist mittlerweile ein wenig zerfleddert, aber seit dieser Nacht ist es Tradition, dass ich irgendwann nach Mitternacht diese Motivationsbox heraushole, Zettel und Stifte verteile und jeder einen Wunsch oder einen Vorsatz aufschreibt und den Zettel durch den Schlitz in die geheimnisvolle Box schiebt. Ein paar Tage später hole ich die Zettel aus der Box, schreibe alle Wünsche und Vorsätze (sofern ich sie entziffern kann) auf und sende eine Motivationsmail an alle. Jeder erkennt (höchstwahrscheinlich) seinen eigenen Wunsch oder Vorsatz wieder. Und wir wissen ja alle, dass einmal schriftlich Festgehaltenes und unter Zeugen Gesagtes (auch wenn es anonym ist) eine bessere Chance hat, sich zu verwirklichen. Ich stelle allerdings fest, dass von Jahr zu Jahr der Anteil der Wünsche in Vergleich zu den Vorsätzen zunimmt. Mag sich anscheinend keiner mehr so genau festlegen ;)
Hier eine kleine, weiterhin anonyme Auswahl aus allen 3 Jahren zur Inspiration:

  • Lasse ich das Rauchen!
  • Die große Liebe finden & erkennen.
  • Immer ein Taxi finden, wenn ich eins brauche.
  • Mont Blanc besteigen.
  • mindestens 1x im Monat Essen mit Freunden
  • weniger Hektik mehr Zeit für mich und meine Liebsten..
  • neuen Schlagzeuger
  • ich werde “schlank-im-schlaf”
  • Schalke wird Meister. Bayern steigt ab.
  • Fester Job
  • noch mehr Sex.
  • Karneval als Dieter Thomas Kuhn gehn
  • 2x die Woche Sport machen
  • 10% mehr an Spaß

Alles dabei! Und manche Wünsche und Vorsätze haben sich, wie ich gehört habe erfüllt! Funktioniert also, die Motivationsbox…

WG-Zimmer frei - Mitbewohner gesucht

14. März 2009

Es ist wieder soweit. Unser Mitbewohner wird uns bald verlassen. Daher wird es jetzt Zeit für einen neuen Aufruf mit im Grunde altem Inhalt:

ZIMMER FREI!

Ab ca. April suchen wir einen Mitbewohner für unsere wunderschöne Penthouse-Wohnung über den Dächern von Oberhausen. Eng ist es dort oben wirklich nicht, denn wir teilen uns zu viert 200qm Wohnfläche und zusätzlich 100 qm Dachterasse. Das Zimmer ist 12 m² Quadratmeter groß, zusätzlich ca. 2 m³ Einbauschrank. Wir können auch noch eine kleine Bürofläche (Tische und Stühle vorhanden) zur Verfügung stellen.

Wir sind zwischen 33 und 39. Zwei Jungs, ein Mädel. Mit unterschiedlichsten Talenten gesegnet, wie Feuer machen, Wahrscheinlichkeitsrechnung und glaubwürdige Geschichten zu falschen Wer-wird-Millionär-Antworten erzählen. Beruflich sind wir in den Branchen Internet und Filmproduktion eingespannt. Wir sind definitiv keine Chaos-WG. Über Wochen liebevoll gesammeltes Geschirr in der Spüle werdet ihr bei uns vergeblich suchen. Einen militärisch organisiertes Camp ist das hier allerdings auch nicht. Es ist halt einfach entspannt nett.

Unser idealer Mitbewohner ist männlich oder weiblich, so ca. ab 25 Jahre alt und berufstätig, eher WG-Typ als Einsiedler.

Hier unten seht ihr Fotos von der Wohnung (zum Vergrößern bitte klicken).

Wer sich das Zimmer, uns und die Wohnung mal anschauen möchte oder gerne detailliertere Infos hätte, meldet sich am besten per Mail an kalaydo21/at/googlemail/punkt/ de oder telefonisch unter 0208-82866996

Total bezwitschert

17. Februar 2009

Ach, war ich schon lange nicht mehr hier und hab was geschrieben. Ich hatte viel um die Ohren. Ein paar neue tolle Projekte hab ich begonnen, einige Projekte beendet, spontan ein Twitterfestval veranstaltet.

Womit wir auch schon beim Thema sind. Twitter hat mich ein wenig in den Bann gezogen. Ich sage nicht, dass mich Twitter abgelenkt hat, denn irgendwie hat mich das in vielen Bereichen vorangebracht, insbesondere was zwischenmenschliche Kontakte angeht. Ja, ich meine Kontakte im wahren, echten Leben. Wenn ich im Bekanntenkreis von Twitter erzähle, werde ich ja manchmal als Freak belächelt. Aber ich missioniere nicht, genieße und twittere :)
Ihr findet mich bei Twitter hier twitter.com/kalaydo
[Twittericon von Gopal]

Happy End 2008

31. Dezember 2008

Das vergangene Jahr war ein Knaller. Nach einer Krise im Frühjahr hatte ich plötzlich eine Fülle an Chancen und Perspektiven und spätestens seit dem Frühsommer bin ich gut gelaunt. Fast immer. Auch jetzt noch. Wow!

Ich habe viele schöne Stunden mit Freunden beim Grillen, Reisen und Partyfeiern verbracht. Ein Highlight war die Beach-ohne-Beach-Party-die keine-war. Ich bin relativ viel gereist, war in Thailand, Kambodscha, Spanien und Ägypten. Gut hätte mehr und länger sein können, aber es gibt ja noch 2009. Auch beruflich ist viel in Bewegung geraten. Die Auftragslage ist vor allem jetzt zum Ende des Jahres gut und ein neues  Unternehmen habe ich auch gegründet. Menschen, zu denen der Kontakt aus unterschiedlichsten Gründen abgebrochen war, haben wieder eine Platz in meinem Leben gefunden. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die mich inspiriert, motiviert und beflügelt haben. Ich habe nichts wirklich Trauriges oder Erschütterndes erlebt. Jedenfalls habe ich das scheinbar derart gut vereinbart, dass ich mich daran jetzt nicht mehr erinnern kann. Ich habe von PC auf MAC gewechselt. Manche meinen, das sei das beste was mir passieren konnte, Haha!

Also es war toll! Und ich fühle es, 2009 wird mindestens genauso gut. Ich bin schon ganz aufgeregt :) Bald geht’s los!

Ich wünsche euch ein schönes 2009! Holt raus, was ihr könnt!!

Wichtelweihnacht

24. Dezember 2008

Ach, dieses Jahr ist Weihnachten so entspannt. Die Geschenkeumverteilung in der Familie wurde einvernehmlich und mit erleichtertem Ausatmen abgeschafft. Ich bestehe aber nach wie vor auf Geschenke zum Geburtstag ;)
Dieses Jahr habe ich mich nur auf das viel spannendere und lustigere Wichteln eingelassen. Die Chikatze hat ein Blogwichteln veranstaltet, an dem sich knapp 100 Blogger beteiligt haben. Ein voller Erfolg!

Mein  Wichtel, das Spielkind, hat mich mit so einigen Aufmerksamkeiten bedacht:

Vielen Dank! Der Handwärmerstern war so kurz nach meinem Aufenthalt im Land der Pharaonen ein sehr willkommenes Eingewöhnungsmittelchen :)
Dann hat mich auch noch elbe14, die ich über Twitter kenne, bewichtelt. Davon kann ich leider kein Foto mehr machen, denn die Pralinen, Lebkuchen und das Bochumer Hopfengetränk sind bereits der vorweihnachtlichen Nascherei zum Opfer gefallen.

Heute abend dann schließlich, wenn ich von meiner Familie zurückkehre, werden wir mit einigen Freunden spät abends noch einmal wichteln und gemütlich zusammen sitzen. Man munkelt es soll auch Feuerzangenbowle geben..

Ich wünsche euch entspannte Weihnachten. Macht’s euch schön!

Forest Gump, der Überlebenskünstler, mein Opa und ich, bzw. mein Kopf

29. Oktober 2008

“Lauf Klaudia, lauf!” denke ich, wenn ich jogge, insbesondere, wenn ich die Tausendfüßler-Brücke über die A42 überquere.

Ich denke an Rüdiger Nehberg beim Laufen. Sein Buch “Überleben ums Verrecken: Das Survival-Handbuch” hat mich vor der lange Zeit gehegten Schreckensphantasie erlöst, ich würde nach 45 Minuten halbtot umfallen, wenn ich nicht vor dem Laufen etwas essen würde.

[foto: ©photocase user Muckomat34]

Und ich denke an meinen Opa. Der war nämlich Schuster damals und wanderte stunden- und tagelang durch die slowenischen Täler und Berge, um seinen Kunden auf den weit verstreuten Gehöften der Umgebung die Schuhe zu reparieren oder neue anzufertigen. Das Laufen steckt mir im Blut, sage ich mir dann, wenn meine Beine meinen, es sei an der Zeit die Füße hochzulegen.

Manchmal, wenn mich beim Laufen eine Art Langeweile überfällt oder ich zu sehr über die Reaktionen meines Körpers nachdenke, versuche ich wie Martin Strel, während des Laufens in Gedanken Karten zu spielen und mir so die Zeit zu vertreiben. Aber, naja, das klappt nicht so gut. Dafür habe ich mir immerhin schon eine komplette Fotostory für mein noch geheimes Fotoprojekt ausgedacht und ausgemalt.

“Laufen ist reine Kopfsache!” sagen ja viele. Und, ja, ich stimme dem zu. Bei mir ist es aber auch noch sehr viel Körpersache. Allerdings: mit dem Kopf läuft’s sich besser. ;)

Zugeflogen - Peter die Google-Taube

1. Oktober 2008

Vorletzte Woche hatten wir mal wieder Taubenbesuch. Die Oberhausener Stadt- und Straßentauben verirren sich eigentlich nie hier nach oben in den 6. Stock. Es sind immer beringte (Sport)Tauben, die sich hier wahrscheinlich ausruhen. So auch vorletzte Woche.

Nur diese Taube blieb länger. Lief tagsüber über die Terasse, pickte im Blumenkasten, flog ab und zu weg, sonnte sich und nachts schlief sie unter dem Terassensofa. Nach ein paar Tagen hat sie sich wie eine Katze verhalten und kam an sobald wir die Terasse betraten, lief um unsere Füße herum, hüpfte aufs Knie, folgte uns ins Wohnzimmer, lief fast unsere gesamte Wohnung ab, verhielt sich dabei anständig und behielt ihren Mist für sich ;)
Ich habe sie Peter genannt. Und irgendwie dachte ich, Peter sei eine von Google entsandte Kamerataube. Weil sie wahrscheinlich jeden Quadratzentimeter unsere Wohnung und der Terasse abgelaufen ist.

Nach fast einer Woche habe ich dann aber doch den für diese Gegend zuständigen Vertrauensmann informiert, dass uns eine Taube zugeflogen ist. Anhand der Ringnummer hätte ich auch den Züchter direkt kontaktieren können. Allerdings habe ich gelesen, dass die oft nicht hocherfreut sind, so eine Taube wieder aufzunehmen. Schließlich hat sie ja ihren Job nicht gut gemacht und beim Rückflug die Orientierung verloren. Da landen solche Tauben dann angeblich leider im Kochtopf. Man kann einen Vertrauensmann einschalten und der checkt dann, ob es sich um einen liebevollen Taubenpapi handelt oder halt nicht. Wenn nicht, werden die Tauben vom Vertrauensmann aufgepäppelt und kommen anschließend in einen Taubenschlag in der Region. Es war schon traurig, als Peter abgeholt wurde… Aber ich bin glaub ich keine gute Taubenmutti.

Hier ein paar Bilder von Peter:


Peter im Kamin

Peter im Blumenkasten


Peter schaut auf meinen Schreibtisch

Finale Furioso - Zeigt her eure Schuhe!

28. September 2008

Der Höhepunkt kommt vor dem Finale. Bei mir. In Bezug auf klassische Musik.

Gestern war ich das erste Mal in der Oper. Sicher nicht das letzte Event, dass ich auf meiner Todo-Liste für’s Leben abhake. ;) Im Theater Duisburg war ich mit zwei netten Begleiterinnen zur Premiere der Oper “Louise” eingeladen.

Eine Viertelstunde vor Beginn saßen wir auf unseren Plätzen. Während für die meisten die Oper in diesem Moment noch nicht begonnen hat, war ich schon elektrisiert. Ich liebe es, wenn klassische Orchester sich einstimmen. Dazu die murmelnden Stimmen der Besucher. Ich liebe das. Ich weiß, ich wiederhole mich.

Das Werk “Louise” von Gustave Charpentier ist vor mehr als Hundert Jahren uraufgeführt worden und war ein Riesenerfolg. Es geht um eine junge Frau, Louise, die sich von den Zwängen der elterlichen Obhut befreien will. Der Käfig in dem sie sitzt ist leider noch nicht einmal ein goldener. Denn die Familie lebt in ärmlichen Verhältnissen.

Louises Mutter
scheint Aufseherin oder Vorarbeiterin einer Näherei zu sein. Eine reife Frau, die die guten und erfüllten Jahre hinter sich hat, weil sie das pralle Leben für sich ausgeklammert hat. Ihr graues schlichtes Kostüm deutet auf streng kontrollierte Lebenslust hin. Aber die roten Schuhe verraten doch, dass ihre Leidenschaft für die Freuden des Lebens nicht gänzlich erloschen sind.

Der Vater hat einen undefinierten, aber nach eigener Auskunft mühevollen Job. Die Aktentasche, die er mit sich führt verrät allerdings, dass es sich wohl nicht um körperlich anstrengende Arbeit handelt. Er suhlt sich gerne in seinem Selbstmitleid und gibt Statements wie “Geld macht auch nicht glücklich”, “Wer soll denn für die Familie sorgen?!!” “Hauptsache wir haben uns” “Sei eine brave und gute Tochter, du willst doch deinen Eltern keinen Kummer machen.” von sich.

Die Eltern könnten jetzt ihr zermürbend langweiliges und freudloses Leben weiterführen, wäre da nicht Louise.

Louise ist aber halt wie sie ist, ein Mädchen, eine junge Frau, bis über beide Ohren verknallt in einen Dichter aus der Nachbarschaft, der ihr die Ohren vom schönen, bunten und lebenslustigen Paris vollsäuselt  und sie dazu bewegen will, gegen den Willen der Eltern, mit ihm nach Paris durchzubrennen. Natürlich ist Louise Feuer und Flamme. Die große weite Welt mit ihren Verlockungen wartet dort auf sie, während im Elternhaus weder der Bär tobt noch irgendeine Motivation zur Selbstverwirklichung gegeben wird.

Der Konflikt ist vorprogrammiert.

Und, fällt euch was auf? Der Stoff dieser Geschichte ist vor mehr als hundert Jahren entstanden und doch ist er 1 zu 1 übertragbar in unsere Zeit. Auf ihre Töchter eifersüchtige Mütter, selbstmitleidige Väter, sich von Zwängen befreiende Kinder, überfürsorgliche Eltern. Die Egos prallen auch heute noch genauso aufeinander.

Mir hat die Inszenierung dieses Stücks gut gefallen. Die Geschichte entspinnt sich in einem Wartezimmer. Ein schlichter Raum, der mir als Zuschauer die Möglichkeit bietet, Gedanken schweifen zu lassen. Gut möglich, dass Louise mit ihrer Mutter in diesem Wartezimmer sitzt, wartet und sich aus lauter Langeweile alle Glücks- und Konfliktszenarien ausdenkt. Das Wartezimmer des Glücks. Andy Warhol hat mal gesagt:

They always say time changes things, but you actually have to change them yourself.

Also, liebe Louises dieser Welt, raus mit euch jetzt und zieht eure roten Schuhe an! … oder rote Socken.

Foto: photocase.de © i make design

PS: Manchmal ist mir das allgemeine Klatschverhalten des Publikums ein Rätsel. Die Darstellerin der Mutter hat meiner Meinung deutlich mehr Applaus verdient. Die Mutter-Tochter-Beziehung ist in dieser Geschichte zentral, sehe ich jedenfalls als Tochter einer Mutter so. Sie hat die Mutter großartig und überzeugend gespielt.
Und ausserdem ist am Ende der Schauspieler nicht gewürdigt worden, der während des Stücks nach der Riesenparty kopfüber an der Wand hängengeblieben ist. Im Zeitlupentempo und bestimmt über einen Zeitraum von 10 Minuten hat er sich so unauffällig wie möglich von der Wand geschält. Ein Meister der Körperbeherschung! :)
PPS: Übrigens hat das Webteam der Duisburger Philharmoniker das Einstimmen des Orchesters bei einem der letzten philharmonischen Konzerte eingefangen. Ausserdem findet ihr auf dem Blog der Philharmoniker jede Menge Bilder, Hintergrundinfos und Videos zu “Louise”.

Glaubwürdig und gutgläubig. Ein bisschen wie Schneewittchen.

17. September 2008

Ich bin berüchtigt für meine wahnsinnig gut nachvollziehbaren Argumente für die richtige Antwort bei “Wer wird Millionär”.  Berüchtigt deshalb, weil ich mit meinen tollen Hintergrundgeschichten die Zweifler auf meine Seite ziehen kann und sich dann aber manchmal herausstellt, dass die so tolle und kenntnisreiche Begründung überhaupt nicht stimmt. Upps! Und dabei will ich meinen Freunden und Mitbewohnern gar keinen Bären aufbinden. Ich glaube ja selbst an das was ich sage! :) Naja, sie nennen das “Klaudias Blaubartgeschichten”. Das erste Mal als ich mich so dermaßen blamiert habe, ging es um eine Frage, die mit der Märchenfigur Blaubart zu tun hatte. Außerdem bin ich, obwohl ich, ohne scheiß, wirklich viel weiß, als potentieller Telefonjoker disqualifiziert. Ich bin einfach zu glaubwürdig.

Ich bin aber nicht nur glaubwürdig, sondern auch sehr gutgläubig. Ja, ich glaube den Leuten, wenn sie mir erzählen, sie hätten dies und das getan, diesen und jenen Job gemacht und ich stelle sowas einfach nicht von vornherein in Frage, auch wenn es noch so verrückt klingt. So hat mir der niederländische Kameramann während der Thailandreise erzählt, er habe davor als Praktikant in einer niederländischen Kuchenbäckerfabrik am Fließband gestanden. Hab ich ihm geglaubt. Als ich nach Details fragte, erzählte er noch ein bisschen was, konnte sich aber irgendwann nicht mehr zurückhalten und prustete los, das sei doch alles Quatsch gewesen. :) Kürzlich bin ich dem Webteam der Duisburger Philharmoniker aufgesessen, die behaupteten ein neues Twittertool entwickelt zu haben. Mein Interesse war geweckt. Es war aber nur ein gut gelaunter ein Witz. Das waren nur zwei von vielen, vielen Vorfällen…. Oh, manno!

Ja, mit mir kann man sowas machen! ;) Aber warum?

  • Ich kenne jemand, der mit einem Paraglider in einem Basketballkorb gelandet ist.
  • Ich kenne jemand, der den Steinbeißer aus der Unendlichen Geschichte gestaltet hat.
  • Ich kenne jemand, der eine mannshohe Penisskulptur im Garten stehen hat.
  • Ich kenne jemand, dessen Frau von Brad Pitt am Hintern begrabbelt wurde.
  • Ich kenne jemand, der einige Wochen in einer Tiefgarage gelebt hat.
  • Ich kenne jemand, der monatelang asketisch mit einem Aikido Meister im Wald gelebt hat.
  • Ich kenne jemand, die auf jeder Wiese unglaublich viel Glücksklee findet.
  • Ich kenne jemand, die Tiersärge gestaltet.
  • Ich kenne jemand, die 15 Jahre lang Welt umsegelt hat.
  • Ich kenne jemand, die totgesagt wurde und immer noch lebt.
  • Ich kenne jemand, der in einer kargen Hütte an der Adria wohnt und sein Essen täglich frisch fängt.
  • Ich habe mal von jemand nach 10-minütiger Bekanntschaft eine goldene Kreditkarte in die Hand gedrückt bekommen mit den Worten “Geh mal shoppen. Mein Fahrer fährt dich.”
  • Ich kannte mal eine echte Kräuterhexe.
  • Ich habe mal unvorbereitet das slowenische Abi in Geografie bestanden (mit Ach und Krach).
  • Ich weiß warum Dr. Evil immer seinen kleinen Finger an den Mund hält.
  • Ich habe mal einen wilden, kämpfenden Wolf in unmittelbarer Nähe vor dem Fenster gesehen.
  • Ich habe mal Panik bekommen, weil ich dachte ich wäre blind geworden (vergessen die Augen zu öffnen).
  • Ich hatte mal ein Jokerface.
  • Ich halte “Currywurstbude auf den Azoren” für eine gute Geschäftsidee.

Jetzt habe ich kurz nachgedacht und und habe diese Geschehnisse, Lebenskonzepte und zwei oder drei Geschäftsmodelle aus meinem Gedächtnis ausgekramt.

Bestimmt kennt ihr noch kuriosere Leute und garantiert habt ihr auch viel ungewöhnliches erlebt. Wenn also jemand kommt und sagt “Hallo ich bin Beate. Ich mache Tiersärge!” da wundere ich mich doch nicht, sondern freue mich, dass ich so eine Person kennen lerne, oder? Und wenn jemand kommt und sagt “Mensch, was ich wirklich machen will, ist eine Currywurstbude auf den Azoren.” dann denke ich, hey, ist ja insprierend, dass Leute so verrückte Träume haben. Und wenn jemand sagt “Klaudia, das war nicht so ernst gemeint, was ich erzählt habe” dann sage ich, tja, aber möglich wär’s schon.

Ich fasse zusammen: ich bin nicht ganz so naiv wie Schneewittchen und ungefähr so neugierig wie Rotkäppchen. :)
[Foto via photocase von judigrafie]

Ich war mal Heidi

31. August 2008

“Ich war mal Heidi” hat wohl jeder, der mich kennt, schon mal gehört. Meine ersten drei Lebensjahre habe ich bei meinen Großeltern in Slowenien in den Bergen auf einem Bauernhof verbracht. Auf der Sonnenseite der Alpen. Eine schöne Zeit, von der mir noch viele Erinnerungsfetzen geblieben sind. Mit meinem Opa saß ich oft auf dem warmen Bauernofen, auf dem man auch wunderbar schlafen konnte. Er hat Mundharmonika gespielt oder mir irgendwelche Geschichten von Füchsen erzählt. Und er sagte immer wieder “Ich werde dir einmal einen Haufen Erde geben!” Ich habe lange Zeit gerätselt, was er wohl damit meint. Ich konnte mir nicht vorstellen, was an diesem Haufen Erde so toll sein sollte.

Ich habe mich in den Maisfeldern versteckt und meine Oma wahrscheinlich in Panik versetzt, weil sie immer lange brauchte, bis sie mich gefunden hatte. Ich liebte Vergißmeinnicht mit ihren bunten, vielfarbigen Blüten. Unser Schäferhund Rexi war mein bester Freund, der mich bei meinen ersten Gehversuchen unterstützt hat und in dessen Fell ich meine Kinderhand gekrallt hab, als ich mit Skiern einen kleinen Abhang runtergefahren bin. Ich hatte ein eigenes Schwein, dass hinterhältigerweise irgendwann geschlachtet wurde. Ja, nicht alles war perfekt.

Bei Spaziergängen mit meiner Oma im Wald haben wir ab und zu die Kräuterhexe getroffen, die mich, als ich älter wurde, zu meinem ersten Traumberuf inspiriert hatte.

Tagelang habe ich mal einen weißen glatten Stein mit mir rumgetragen, gehütet, gepflegt und bebrütet, weil meine Oma mir versichert hat, dass sei ein Ei. Ja, mit mir kann man so was ja machen ;)  Ich habe versucht auf einem Dreibein eine Kuh zu melken. Als sie mir mit dem Schwanz ins Gesicht schlug, war es aus mit der Kuhmelkerkarriere. Ja, das leben auf einem Bauernhof ist rauh.

Wenn Besuch kam, bin ich den Leuten entgegen gerannt und habe gerufen:”Wir haben einen Bullen! Wir haben einen Bullen!” Wer einen Bullen hatte, der konnte sich schon was drauf einbilden ;)
Manchmal durfte ich auch einen Ausflug ganz auf eigene Faust unternehmen. Meine Oma hat in einen kleinen Korb ein Stückchen Brot, ein bisschen Käse, Salami und eine kleine verstöpselte Flasche mit selbstgemachten Apfelsaft gepackt. Damit bin ich dann in die Ferne (vllt 500 Meter) gewandert. Mein Ziel war immer ein großer Baum mitten auf dem Feld. Darunter stand eine kleine Holzhütte. Ich habe diese Hütte geliebt. Schon der Weg dorthin war verbunden mit Aufregung und Vorfreude. In der Hütte habe ich meinen Proviant auf dem Holztischchen ausgebreitet und alles gegessen und getrunken. Manchmal habe ich das auch auf der Bank vor der Hütte gemacht. Mit dem Blick über das Feld, die Wälder und Berge. Und wenn ich fertig war, bin ich wieder heimgekehrt.

Natürlich gab es auch einen Peter. Der hieß aber Joze. Und war ein Junge und doof ;)
Heute weiß ich, was an diesem Haufen Erde so toll ist…


Illustration: Alpenmädchen von Diana Köhne